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Krankheiten erfolgreich therapieren ist gut, gesund bleiben besser

Foto Arzt und Patient

08.11.2016

Integrierte Gesundheit als Modell ganzheitlicher medizinischer Versorgung 

Die Österreichische Public Health Gesellschaft (ÖGPH) widmet sich am 9. und 10. November 2016 bei der 19. Wissenschaftlichen Tagung in Wien im Rahmen der Europäischen Public Health Conference dem Thema „Integrierte Versorgung – Integrierte Gesundheit". Integrierte Gesundheit bedeutet ein ganzheitliches Gesundheitsverständnis, in dem entsprechend dem WHO-Gesundheitsmodell biologische, psychische und soziale Faktoren Auswirkungen auf die Gesundheit haben und miteinander interagieren. Von integrierter Versorgung spricht man demnach bei einer umfassenden, koordinierten und Patientzentrierten Versorgung. Die diesjährige Tagung findet erstmals in Kooperation mit der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA) statt.  

„Für uns ist der wissenschaftliche Austausch von besonderer Wichtigkeit", erklärt Dr. Thomas Neumann, Generaldirektor-Stellvertreter der SVA. „Ein wesentlicher Ansatz für die SVA ist das Health Literacy Konzept. Denn Studien belegen, wer Gesundheit versteht lebt gesünder und länger". Mit einem Bündel an Maßnahmen, angefangen von einer verständlichen Kommunikation, über das Vorsorgeprogramm `Selbständig Gesund` bis hin zum Gesundheitsförderungs- und Präventionsprogrammen will die SVA die Gesundheitskompetenz ihrer Versicherten fördern. Im Vorsorge-Programm `Selbständig Gesund` fungieren Ärzte als Gesundheitscoaches, indem sie gemeinsam mit den Patienten Gesundheitsziele festlegen und überprüfen. Jene, die aktiv zur Erhaltung ihrer Gesundheit beitragen und ihre persönlichen Gesundheitsziele erreichen, profitieren auch finanziell."  

Integrierte Versorgung, integrierte Gesundheit
Was bedeutet integrierte Versorgung und integrierte Gesundheit? Der Präsident der österreichischen Public Health Gesellschaft, Assoc. Prof., Priv.-Doz., Dr. Thomas DORNER, MPH, erklärt es an einem Beispiel: „Wir wissen, dass es wichtig ist, gerade bei Kindern und Jugendlichen auf die Gesundheit zu achten. Daher gibt es an unseren Schulen diverse Gesundheitschecks und Aktivitäten. Bei Bedarf werden die Eltern darauf hingewiesen, dass das Kind zum Zahnarzt soll, dass Impfungen gefordert oder empfohlen werden, dass die Teilnahme an regelmäßiger Bewegung wichtig ist oder einer schulpsychologischen Betreuung wertvoll wäre. Ein gutes soziales Netzwerk in der Familie und im Freundeskreis ist für die Gesundheit ebenfalls wichtig und das alles ist Voraussetzung für einen guten Erfolg in der Schule. In einer integrierten Versorgung würden alle diese Aspekte berücksichtigt und ein aufeinander abgestimmtes Gesundheitsprogramm würde angeboten. Das spart Zeit, Nerven und auch Geld, sofern das Zusammenspiel zwischen den Teilnehmern gut funktioniert. So stelle ich mir eine gute, integrierte Versorgung vor", so Dorner.  

„Ein Schritt in Richtung integrierte Versorgung stellt der SVA Gesundheits-Check Junior dar. Nach einer mehrjährigen Pilotphase können seit 1. Oktober 2016 SVA-versicherte Kinder bundesweit bei Fachärzten für Kinder- und Jugendheilkunde sowie bei Allgemeinmedizinern den Check kostenfrei absolvieren. Mit dem Gesundheits-Check Junior wollen wir erreichen, dass Gesundheitsrisiken bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig erkannt werden, Präventionsmaßnahmen bei Bewegungsmangel, ungesunden Ernährungsgewohnheiten, Suchtmittelmissbrauch gesetzt und in wichtigen Entwicklungsphasen wie Einschulungen oder Pubertät Unterstützung geboten wird", erklärt Neumann ergänzend.

Dorner erklärte weiters, dass Gesundheit aber bekanntlich nicht nur das rechtzeitige Erkennen und Behandeln von Krankheiten ist. Gesund sein heiße, vital und kraftvoll zu sein, heiße das Leben mit Energie, Zuversicht und Freude zu meistern, aber auch frei sein von Krankheiten.  

Gesundheit immer und überall mitdenken
Und damit zurück in die Schule. Gesunde Schulkinder sollten somit voller Energie sein. Also möglichst ohne Untergewicht oder massivem Übergewicht, ohne Fehlhaltungen, ohne Schlaf- und Konzentrationsstörungen, ohne psychische Probleme, Aggressionen und Depressionen. Integrierte Gesundheit nach dem Verständnis der Public Health Experten ist Gesundheit auf allen Ebenen. Da wird breiter gedacht und gehandelt. Da stellt sich die Frage, ob der Schulweg denn auch zu Fuß oder mit dem Rad machbar wäre bzw. welche Änderungen es braucht, damit dem so ist. Da würde anstelle der Softdrinks aus den Automaten frisches Trinkwasser angeboten und das Angebot vom Schulbuffet kritischer hinterfragt. Da würden die Klassenräume nicht überheizt, sondern regelmäßig und gut gelüftet. Da würden Schulen so geplant und gebaut, dass die Jugend möglichst oft und ungezwungen ins Freie kann. Gemeinsam und mit Freude lernen anstelle Druck durch das überbewerten einzelner Leistungen. Und vieles, vieles mehr.  

„Für mich ist es wesentlich, integrierte Gesundheit immer und überall mitzudenken. In den Familien, in den Kindergärten und Schulen, am Arbeitsplatz, beim Wohnen, bei der Verkehrs- und Städteplanung, beim Sozialsystem ebenso wie in der Besteuerung von Waren und Leistungen. Wir sind auf dem Weg – doch der Weg ist noch ein weiter. Eines haben die meisten erkannt: Krankheiten erfolgreich therapieren ist gut, gesund bleiben ist wesentlich besser, so Dorner abschließend.  

SVA – Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft
Die SVA ist der Sozialversicherungsträger für Österreichs Selbständige und betreut als Gesundheitsversicherung rund 792.000 Kunden. Als gesetzliche Pensionsversicherung ist die SVA für 427.000 Versicherte zuständig. Nach dem Motto „Gesund ist gesünder" setzt die SVA verstärkt auf Prävention und bietet ihren Versicherten spezielle Vorsorgeprogramme (zum Beispiel: „Selbständig Gesund") an.  

ÖGPH – Österreichische Gesellschaft für Public Health
Die ÖGPH ist eine unabhängige wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich mit Public Health Themen in Österreich auseinandersetzt. Die ÖGPH steht für wissenschaftlich fundierte Forschung in den Gesundheitswissenschaften. Einmal jährlich organisiert sie die größte wissenschaftliche Fachtagung zu Public Health In Österreich. HP: https://oeph.at/


Rückfragehinweis:
Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA)
Daniela Klinser, MSc.
Tel.: 05 08 08/3452
E-Mail: daniela.klinser@svagw.at

Österreichische Gesellschaft für Public Health
Präsident: Assoc. Prof., Priv.-Doz., Dr. Thomas DORNER, MPH
Tel.: +43 (0)1 40160 34884
E-Mail: thomas.dorner@meduniwien.ac.at